über 30 JahreIm Februar 1981 wurde unser erster Film für das Fernsehen gedreht. Mit dem Titel „Jeder braucht ein Du“ portraitierte dieser 30-minütige Film die engagierte Hilfe von Laien für psychisch Kranke. Realisiert wurde der Film für die Redaktion „Gott und die Welt“ im Auftrage des Westdeutschen Rundfunks.

Es folgten seit dem viele weitere spannende Dokumentationen und Reportagen für die unterschiedlichsten Redaktionen und Sender. Mehr dazu auf diesem Portal.
ZDF

Bornholm

Eine Oase mitten im Wind: Bornholm - die "Perle der Ostsee".

Viele Besucher lieben die Beschaulichkeit der Insel, die kleinen rot oder gelb gestrichenen Häuser mit ihren hölzernen Fensterläden. Sie genießen die Ruhe der kleinen Städtchen und die Nähe zur Natur. Doch es gibt immer wieder neues zu entdecken. Reiselust entführt Sie heute zu den kleinen und großen Wundern dieser Insel.

40 Kilometer südlich von Schweden und etwa dreimal so weit entfernt von Kopenhagen liegt die dänische Insel Bornholm in der Ostsee. Die meisten der 45.000 Einwohner leben in Bornholms Hauptstadt Rønne. Juliane und Vera haben sich in der Hauptstadt Rønne mit Informationsmaterial eingedeckt und für umgerechnet 31 Mark pro Tag ein Tandem gemietet.

Ihre Tour geht vorbei am alten Bahnhof und danach meist entlang der stillgelegten Kleinbahn-Trasse, auf sehr gut ausgeschilderten Radwegen. Juliane und Vera wollen sich einmal richtig vom Alltag Zuhause erholen. Entspannten Urlaub machen. Aber nur auf der faulen Haut zu liegen ist nicht ihr Ding. Sie möchten etwas sehen von der Landschaft und der Kultur ihres Urlaubslandes. Ausspannen, Landschaft, Kultur und Aktiv sein, ohne sich dabei direkt zu verausgaben - Bornholm scheint dafür genau das Richtige zu sein.

Ein erster Zwischenstop: die Heringsräucherei in Hasle, eine von vielen auf der Ostseeinsel. Aber diese hier kann man besichtigen. Der leckere, rauchige Duft hat Juliane und Vera angelockt. Hier erfahren sie, dass er von sorgsam feucht gehaltenem Erlenholz kommt, das dem Fisch seinen unverwechselbaren Geschmack verleiht. Aus einem einfachen Ostseehering Gold zu machen, ist die Spezialität der Insulaner. Der "goldgelbe Bornholmer"

In Hasle wird täglich zentnerweise frischer Fisch geräuchert. Das meiste davon wird von Einheimischen und Urlaubern direkt hier vor Ort verspeist. Einen Wermutstropfen hat die Leckerei allerdings: jede Menge Gräten. Juliane und Vera sind froh, dass es nicht so heiß ist. Nach so einem gehaltvollen Frühstück hätten sie sich sonst ungern auf ihr Tandem geschwungen.

Und diese Überraschung hier vielleicht gar nicht entdeckt: Ein Feigenbaum auf diesem Breitengrad! Dass das Klima auf Bornholm ganzjährig so mild ist, hätten die beiden nicht gedacht. Als nächstes stoppen sie in Østerlars. Diesmal hat Juliane und Vera nicht ein Duft angelockt, sondern ein lautes Spektakel. Im Middelalderzentrum.

Dort findet ein mittelalterliches Fest statt. Der Tisch ist gedeckt wie vor hunderten von Jahren. Inmitten dieser Andersartigkeit kommen sich Juliane und Vera fast ein bißchen komisch vor in ihren modernen Hosen und T-Shirts. Auch komisch die Vorstellung, dass die Menschen früher bereits im Sommer anfangen mußten, Kerzen zu ziehen. Als Vorrat für die langen Winterabende.

(O-Ton Helga Reichert)

Die Menschen im mittelalterlichen Dorf waren unabhängig: Filzhütte und Bekleidungen entstanden aus Rohstoffen, die "vor der Haustür" wuchsen. Und auch die Baumaterialien stammten aus der Umgebung. Ihr Getreide brachten die Bauern zur Dorfmühle. Ein besonders seltenes Exemplar können wir hier bei Østerlars bewundern.

Ganz in der Nähe vom Mittelaltercenter: einer der Bornholmer Rundkirchen. Die Bedeutung dieser Bauwerke steckt noch immer voller Rätsel. Waren sie Bollwerk gegen Piraten und andere Feinde? Aufzeichnungen hierzu gibt es nicht. Oder sind sie frühe Zeugen christlicher Kultur mit heidnischen Wurzeln, wie einige Historiker vermuten? Für Helga Reichert gibt es keinen Zweifel: als die Østerlars Kirke im 12. Jahrhundert erbaut wurde, sah sie sicher noch nicht so aus wie heute.

(O-Ton Helga Reichert)

Im Zentrum der Insel befindet sich das Waldgebiet Almindingen. Es ist das größte zusammenhängende Waldgebiet von Bornholm und sogar das zweitgrößte von ganz Dänemark. Allerdings ist es nicht natürlich gewachsen, sondern wurde vor 200 Jahren angelegt. Borhnholm lebt von langschaftlichen Spannungen. Auf der einen Seite Wald, auf der anderen Seite rauhes, felsiges Gestein. Am "Fennoskandischen Graben" ebenfalls eine weitere Spannung. Hier treffen Nordbornholmer Granit und der geologisch sehr viel jüngere Südbornholmer Sandstein aufeinander.

Der Geologe Finn Hansen überbrückt für uns mit einem Schritt 1,2 Milliarden Jahre Erdgeschichte. Und in dieser Gegend errichteten die Bornholmer ihr Naturkundemuseum. Vera und Juliane interessieren sich für die geologischen Kuriositäten der Insel und machen Halt in Aakirkeby zu einem Besuch in "Natur Bornholm". Originell ist schon die Außenfassade - natürlich aus Bornholmer Granit. Im Inneren kein verstaubtes Museum, sondern Informationen für alle Sinne. Der vulkanische Ursprung des Gesteins, die Kontinentalverschiebung und die formende Kraft der Gezeiten, nicht nur anschaulich sondern auch anfaßbar dargestellt.

Draußen, die steinernen Zeugen, von denen es zurück geht zum Ursprung allen Lebens - zum Wasser.