über 30 JahreIm Februar 1981 wurde unser erster Film für das Fernsehen gedreht. Mit dem Titel „Jeder braucht ein Du“ portraitierte dieser 30-minütige Film die engagierte Hilfe von Laien für psychisch Kranke. Realisiert wurde der Film für die Redaktion „Gott und die Welt“ im Auftrage des Westdeutschen Rundfunks.

Es folgten seit dem viele weitere spannende Dokumentationen und Reportagen für die unterschiedlichsten Redaktionen und Sender. Mehr dazu auf diesem Portal.
WDR

Mississippi hat den Blues

Wir sind im Ground Zero, dem angesagtesten Blues Club in Clarksdale Mississippi. Die Geschwister Ryan, Kyle und Taya Perry sind mit ihrer Homemade Jamz Blues Band schon eine Richtige Nummer im Musikgeschäft.

Obwohl Schlagzeugerin Taya erst 10 Jahre alt ist. Jazz, Rock und Soul, sie alle haben ihre Wurzeln im Blues, der Musik der afroamerikanischen Bevölkerung im Süden der USA. Der Name Blues leitet sich von der Redewendung "I've got the blues - Ich bin traurig" ab. Blue Music - Blues.

(O-Ton Ryan Perry)

Hier am Mississippi ist vor über 100 Jahren der Blues entstanden. Im Laufe der Zeit hat der breite Fluss viel fruchtbares Schwemmland hinterlassen, das sich hervorragend zum Anbau von Baumwolle eignet. Im Missisippi-Delta arbeiteten Sklaven auf den fruchtbaren Feldern. Um die schwere Arbeit besser zu ertragen, sangen sie Stehgreif-Lieder. Aus denen wurde der Blues. Stolze Südstaatenvillen, die kleinen weißen Kirchen... und die ehemaligen Hütten zahlloser Sklavenarbeiter erzählen von jener Zeit.

Die meisten Menschen im Mississippi-Delta waren arm, auch als die Sklaverei längst abgeschafft war. Sie arbeiteten als Tagelöhner auf den Baumwollfeldern, die zu Betrieben wie der Dokery Farm gehörten, die man heute besichtigen kann.

(O-Ton Dr. Luther Brown)

Nach einem harten Tag auf den Baumwollfeldern kamen die Arbeiter am kleinen Kaufladen der Dokery Farm zusammen und machten gemeinsam Musik. Auf diesen Stufen, die einmal zum Laden gehörten, soll der Blues entstanden sein.

Einige Kilometer weiter befindet sich ein kleines Museum. Um die ältesten Schallplattenaufnahmen, die es von dieser Musik noch gibt kümmert sich Stephen LaVere von der Delta Haze Corporation. LaVere ist ein Blues-Fachmann.

(O-Ton Stephen LaVere)

Juke Joints gibt es heute noch. Das ist "Po' Monkey's" bei Clarksdale. "Gearshifter", einer der vielen bekannten Bluesmusiker des Deltas, ist in diesem Juke Joint alten Stils öfter anzutreffen. Wie üblich sind unerfüllte Liebe und die Traurigkeit des Alltags die Themen des 57-Jährigen, ebenso Alltagsprobleme mit Handy oder Computer. In der Regel werden Blues-Texte in der Ich-Form erzählt. Auch "Gearshifter" singt über sich, seine Freundin und den Abend zusammen auf der Couch.

Einer der berühmtesten aller Delta-Blues-Vertreter soll in den 1920er Jahren seine Seele den Teufel vermacht haben. Und zwar auf dieser Kreuzung Clarksdale. Robert Johnson ist sein Name. Seine Musik war so gut, er musste mit dem Teufel im Bund stehen. So die Legende. Johnson war ein ausgewiesenes Talent, dessen Musik viele nachfolgenden Musikgrößen, wie zum Beispiel Eric Clapton beeinflusst hat.

(O-Ton Stephen LaVere)

Es geschah wohl dann doch auf dem Heimweg von den Baumwollfeldern, als Robert Johnson beschloss, Blues-Musiker zu werden. Die legendäre Kreuzung der Route 61 hat es damals in der Stadt noch gar nicht gegeben.

Der Mythos um die Begabung des Robert Johnson wurde schließlich durch seinen frühen Tod, mit nur 27 Jahren kräftig angeheizt. Und mystisch ist das Todesalter allemal. Rocklegenden wie Janis Joplin, Jimmy Hendrix und Kurt Cobain starben ebenfalls mit 27. Robert Johnson ist 1938 vermutlich von einem eifersüchtigen Ehemann vergiftet worden. Die Musik der Feldarbeiter - seine Musik - lebte weiter.

Als die Maschinen die Landwirtschaft des Mississippi-Deltas eroberten, wurden viele Feldarbeiter arbeitslos. Die "fieldhands", die Menschen, wurden nicht mehr gebraucht.

(O-Ton Dr. Luther Brown)

Der Blues begann seinen Siegeszug. Das damals noch junge Medium Radio kannte allerdings noch keine schwarze Musik.

(O-Ton Stephen LaVere)

Seine ersten Erfolge verbuchte B.B. King mit Werbe-Jingles für Tonikum, das wegen seines Alkoholgehalts besonders bei Hausfrauen beliebt war. Auch heute spielt das Radio im Delta für den Blues eine wichtige Rolle.

(O-Ton James Poe)

Radiomann James Poe bestreitet sein gesamtes Programm mit Blues. Seit Mitte der 1940er Jahre unterstützt das Radio die Verbreitung des Blues.

(O-Ton Stephen LaVere)

1955: der gerade 14-jährige Schwarze Emmet Till aus Chicago pfeift einer Weißen hinterher. Das war Grund genug für einige Weiße, ihn zu ermorden. Brutaler Anstoß für den Bürgerrechtskampf der Afroamerikanischen Bevölkerung im Mississippi-Delta. Im Sommer 1964 jedenfall erreichte die Bewegung in einem Park in Greenwood Mississippi ihren Höhepunkt.

Die Afroamerikaner erkämpften sich gleiche Rechte. Und ihre Musik erreichte auch die Weiße Bevölkerung der USA. Aber erst über Umwege: Englische Rockmusiker entdeckten für sich den Blues. Und so kam der Blues mit der Rockmusik aus England zurück in die Vereinigten Staaten.

Am Rand der Route 61 in Vicksburg im Süden des Deltas: Wir treffen Osgood und Blaque, zwei Musiker, die den Blues im Blut haben.

(O-Ton Blaque und Osgood)

Ein vertrauter Klang: der Mississippi-Delta-Blues.