über 30 JahreIm Februar 1981 wurde unser erster Film für das Fernsehen gedreht. Mit dem Titel „Jeder braucht ein Du“ portraitierte dieser 30-minütige Film die engagierte Hilfe von Laien für psychisch Kranke. Realisiert wurde der Film für die Redaktion „Gott und die Welt“ im Auftrage des Westdeutschen Rundfunks.

Es folgten seit dem viele weitere spannende Dokumentationen und Reportagen für die unterschiedlichsten Redaktionen und Sender. Mehr dazu auf diesem Portal.
NDR

Eurochocolate

Fünf Kubikmeter Schokolade zu Skulpturen gemeißelt. Aus ganz Italien und den Nachbarländern sind Schokoladenfans in die Hauptstadt Umbriens gekommen. Eine Woche lang wollen sie Italien kulinarisch genießen.

Die Schokoladenmesse ist jedes Jahr das Ereignis in Perugia. Eugenio Guarducci ist der Schokoladenpapst.

(O-Ton Eugenio Guarducci)

Dabei war die Veranstaltung nicht immer so groß. Guarducci traf anfangs sogar auf Skepsis, obwohl die Schokoladenproduktion hier Tradition hat. Inzwischen weiß jeder in Perugia, dass Schokolade glücklich machen kann.

Seit der Etruskerzeit liegt Perugia hoch über dem Flußteil des Tiber. In der Altstadt atmet jeder Stein Geschichte. Das ganze Jahr über kommen Touristen und flanieren durch die Gassen und über die Plätze, vorbei am Palazzo dei Priori und der Fontana Maggiore. In der Schokoladenwoche aber gibt es den größten Ansturm des Jahres.

Bei "Sandri" dem angesagtesten Café Periguias verkauft man die Spezialtät dieser Stadt Schokolade in allen Varianten. Tafeln, Pralinen und sogar kleine Skulpturen aus dem zartbitteren Stoff. Hier trinkt Eugenio Guarducci seinen Kakao am liebsten. Aber nicht in diesem Schokoladentempel, sondern ausgerechnet auf dem Münchner Oktoberfest, kam ihm die Idee zum Schokoladenfestival. Das war vor 15 Jahren und der gelernte Architekt Guarducci ist jetzt der Präsident der Schokoladenvereinigung. Direkt hier vor der Tür findet seine Messe statt.

Zum Veranstaltungsort in der höher gelegenen, historischen Altstadt von Perugia führen Rolltreppen. Die enden in den Gewölben der Rocca Paulina, einer Festungsanlage, die einst ein Papst bauen ließ, um die Stadt besser kontrollieren zu können. Hier ist der Hauptarbeitsort von Eugenio Guarducci. Er trifft sich zu Sicherheitsbesprechung mit dem Polizeichef. Auch der ist ein Freund der Schokolade.

Die übergroßen Schachfiguren sind aus dem edlen Material gegoßen, in weißer und schwarzer Schokolade. Essen wird sie niemand, sie kommen später ins Museum. Alles in Ordnung hier oben. Der Polizeichef ist beeindruckt vom reibungslosen Ablauf.

Als Erfinder der Schokoladenmesse hat Guarducci viel zu tun. Ständig muss er durch die Stadt und über die Messe begleiten, Fragen beantworten, Auskünfte erteilen. Kostproben vielleicht auch Bestechung für die Reporter. Sie sollen schließlich wissen, wofür die Masse der Besucher schwärmen. Wenn Maria Luciessi mit ihrem Chef etwas zu besprechen hat, geschieht das mitten im Gewühl, denn Eugenio Guarducci kommt dieser Tage selten ins Büro. Dennoch muss er mit Besuchern, Behörden und Standtreibern Kontakt halten. Guarducci hat eine Schlüsselstellung bei der Schokoladenmesse.

Am liebsten ist er hier draußen, wo die Schokolade fließt und sich die Besucherströme zwischen den Verkaufsbuden ergießen. Guarducci hat gern alles im Blick. Die Besucher, die Journalisten natürlich und die Händler an ihren Ständen. Gar nicht so einfach bei den Versuchungen, die an den verschiedenen Ständen geboten werden. Und nicht immer kann ihnen widerstehen. Auch wenn er hier die Banane pur bevorzugt. Ganz ohne naschen, kommt Eugenio Guarducci nicht durch den Tag. Probieren gehört schließlich dazu, wenn er den Überblick behalten will.

Mittags wird es eng in Perugia. Einheimische meiden dann die City. Es sei denn, sie gehören zu den Verkäufen, die jetzt den meisten Umsatz machen.

(O-Ton Eugenio Guarducci)

Es gibt so viel zu probieren und die Kalorien kann man sich an Ort und Stelle sogar wieder abtrainieren. Schokolade im Überfluss, in schwarz und weiß, mit und ohne Zutaten, zum Bestaunen und zum Reinbeißen. Im Überfluss des Angebots bleibt die Frage offen, woher der Rohstoff für diese Schokoladenmassen stammt. Auch darüber hat sich Guarducci Gedanken gemacht.

Im Gewölbe unter der Stadt gibt es Räume, in denen großen und kleinen Naschkatzen der Ursprung der Schokolade erklärt wird. Sie erfahren hier auch etwas über den fairen Handel mit Kakao-Bauern der Dritten Welt. Das ist nämlich ein ganz besonderes Anliegen von Guarducci und seinen Mitarbeitern und soll schon den jungen Konsumenten nahe gebracht werden.

(O-Ton Eugenio Guarducci)

Schokolade essen und Gutes tun. So fügt sich eine politische Idee unaufdringlich ins große schlemmen. Angesichts der großen Resonanz ist dies sicher der richtige Ort für solche Anregungen.

Seit 1907 gibt es die Schokoladenfabrik in Perugia. Inzwischen mit einem eigenen Museum. Mit Filmdokumenten und alten Fotos garniert, sind die Führungen durchs Museum. Dessen Hauptattraktion: Die Guinness Rekord Praline vom letzten Jahr. Der große Perugia Schokoladenkuss, der überall auf der Welt bekannt ist. Er ist eine typisch italienische Schokoladenspezialität.

Eine weitere Spezialität in Perugia ist das weltweit wohl einzigste Schokoladenhotel, in einem Außenbezirk der Stadt. Ich mag keine Schokolade lügt Pinocchio dort im Foyer. Hier dreht sich auch in der Küche alles um die Süßigkeit. Kein Menü gibt es ohne. Selbst der Käse für die Pasta ist nicht echt und wird aus weißer Schokolade gemacht.

(O-Ton Eugenio Guarducci)

So kommt der Schokoladenfan in Perugia das ganze Jahr auf seine Kosten.

Garten der vergessenen Bäume

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